Zur Ausstattung des Hauptportals hatte
er Josef Pallenberg engagiert, der in den folgenden Jahren für
den Tierpark ca. 50 Rekonstruktionen von Sauriern der Jura- und
Kreidezeit in natürlicher Größe schuf. Pallenberg
galt als wissenschaftlich arbeitender Künstler und war deshalb
bei zoologischen Fachleuten besonders beliebt. Er war ein Mensch,
der sich zeitlebens zu den Tieren hingezogen fühlte. Seine
Liebe, sein Wissen und sein Respekt ließen nur die für
ihn typische, außergewöhnlich präzise und detailierte
Art der Darstellung zu. Meist zog er ihre Gesellschaft der menschlichen
vor und verbrachte seine Zeit vor den Käfigen und Gehegen,
um sie zu studieren und zu portraitieren. Er schuf nämlich
niemals eine Tierplastik schlechthin, sondern alle seine Arbeiten
sind exakte Abbildungen eines bestimmten Tieres. Seine Suche nach
größtmöglicher Präzision führte ihn
zur Abgusstechnik, die er über die Jahre immer weiter perfektionierte.
Für diese Arbeit war er ständig auf der Suche nach toten
Tieren, und wenn er hörte, dass in einem Zoo Tiere eingegangen
waren, machte er sich schnell auf die Reise, um bald darauf mit
säckeweise Kadavern in sein Atelier zurückzukehren und
aus ihnen Plastiken zu schaffen, die er auf so wundersame Weise
mit Leben zu füllen verstand. In den Jahren bei Hagenbecks
Tierpark entstand ein Naturabguss zweier Riesenschlangen, die
sich in der Nacht zum 25. bis 26. August 1909 aus Fressgier um
den Kadaver eines Schwanes so ineinander verbissen, dass sie unfähig
waren, sich wieder loszulassen. Bei dem Kampf wühlten sich
die Schlangen in das Bassin ihres Behälters und ertranken.
Jeder, der diese Bronzeplastik betrachtet, streicht mit der Hand
über die verschlungenen Windungen. Ihre Oberfläche ist
deshalb immer noch so blank wie vor hundert Jahren, als Carl Hagenbeck
seinen Traum eines friedlichen Nebeneinanders unterschiedlichster
Tierarten verwirklichte und den ersten neuzeitlichen Tiergarten
gestaltete. Die Besucher sollten die Tiere von nun an nicht mehr
in Käfigen, sondern in ihrem natürlichen Umfeld sehen,
nur durch verdeckte Gräben von ihnen getrennt.
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